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Die israelische Botschaft hat zusammen
mit der Handelskammer Schweiz-Israel eine Veranstaltung organisiert,
an der bei Schweizer Unternehmen und Institutionen für
Israel als Investitionsstandort im Bereich der Life Sciences,
zu denen Biotechnologie und die Herstellung pharmazeutischer
Produkte gehören, geworben wurde.
Als die ersten Vorbereitungen für die Veranstaltung in
der Zürcher Börse liefen, war ein Ende der Kriegshandlungen
in Libanon noch nicht absehbar. Diesen politischen Entwicklungen
und den wirtschaftlichen Auswirkungen zum Trotz meldeten sich
mehr Teilnehmer zu dem Anlass «Israel, an Emerging Powerhouse
for Life Sciences: Creating Synergies with Swiss Investors»
als von den Initianten erwartet worden war. Unter Federführung
des Wirtschaftsattachés Ami Levin plante die israelische
Botschaft in der Schweiz in Zusammenarbeit mit der Handelskammer
Schweiz-Israel die eintägige Veranstaltung, an der die
Gäste über die Chancen einer Investition in Israel
informiert wurden.
Im Anschluss an die Vorträge fanden diverse
Gespräche mit Vertretern aus Schweizer Unternehmen im
kleineren Kreis statt, und dies, wie der Generalsekretär
der Handelskammer, Gabriel Taus, gegenüber tachles betont,
auch über den Tag hinaus: «Da die meisten Referenten
erst am Mittwochabend oder Donnerstagmorgen wegflogen, konnten
noch weitere Begegnungen vermittelt werden.» Über
konkrete Ergebnisse der Konferenz kann Taus zum heutigen Zeitpunkt
noch nichts sagen, er betont aber, dass "die Handelskammer
und der Handelsattaché die Kontakte dieser Veranstaltung
aktiv nutzen werden. So werden wir auch alles in Bewegung
setzten, um den Besuch des Schweizer Staatssekretärs
Jean-Daniel Gerber in Israel im nächsten Jahr mit einer
Firmendelegation zu begleiten." Im direkten Anschluss
an den Anlass erhielt Taus nach eigenen Angaben nur positive
Reaktionen: "Einerseits zu der Veranstaltung selbst und
andererseits zu der Tatsache, an der Veranstaltung trotz
allem festgehalten zu haben.»
Investitionen in Israel werden unterstützt
Unter den insgesamt rund 90 angemeldeten Teilnehmerinnen und
Teilnehmern waren Vertreter von grossen Schweizer Unternehmen
wie UBS, Novartis, KPMG oder Credit Suisse, aber auch die
Stiftung Technopark Zürich oder das Kantonsspital Luzern
waren auf der Veranstaltung vertreten, die von der Organisation
for Facilitating Investments durchgeführt wurde. Zudem
kamen zahlreiche mittlere und kleine Firmen, um sich über
die Möglichkeiten einer Investition in Israel zu erkundigen.
Dies erstaunt nicht, da die israelische Wirtschaft auf dem
Gebiet der Life Sciences einen bemerkenswerten Aufschwung
erlebt:
Der Industriezweig ist in den vergangenen sechs
Jahren um etwa 50 Prozent gewachsen. In rund 600 Unternehmen
beschäftigt die Branche 28 000 Mitarbeitende und erwirtschaftet
mehr als 13 Prozent des industriellen Exports des Landes.
Mit Stolz verweist das israelische Investment Promotion Center
auf eine Aussage des Nasdaq-Präsidenten Robert Greifeld
hin, der sagt: "Israel hat neben dem Silicon Valley die
höchste Konzentration an Hightech-Unternehmen in der
Welt." Rachel Roei, die Direktorin des Promotion Center,
war nach den Eröffnungs- und Begrüssungsreden
von Ami Levin und Botschaftssprecher Uri Rothmann (der anstelle
des künftigen neuen israelischen Botschafters Ilan Elgar
sprach, da dieser noch nicht - wie vorgesehen - akkreditiert
war) die erste Referentin, der es gelang, innerhalb von 15
Minuten eine beeindruckend positive Präsentation über
ihr Land zu halten. Unter dem Titel «Israel. Where Breakthroughs
Happen» klärte sie die Anwesenden darüber
auf, dass die Branche der Life Sciences nach der Telekommunikationsbranche
der grösste Markt Israels ist, in den zwar bereits investiert
würde, dies aber noch nicht in ausreichendem Masse. Der
zweite Libanon-Krieg habe die Stimmung zwar getrübt,
dennoch hätten bedeutende internationale Unternehmen
wie Johnson & Johnson oder LOréal sich kürzlich
für ein Engagement in Israel entschieden. Roei wies mit
Nachdruck darauf hin, dass es verschiedene Programme der Regierung
gibt, die Investitionen zu unterstützen. Zudem beteuerte
sie, dass das grösste Kapital des Landes seine professionell
ausgebildeten Arbeitskräfte seien: 77 Prozent aller Israeli
haben die Highschool absolviert, 20 Prozent erwerben zudem
ein Universitätsexamen, und immerhin 40 Prozent der jüngst
eingewanderten Immigranten ha-ben einen akademischen Abschluss.
An sieben Universitäten laufen zurzeit über
200 Life-Sciences-Projekte, die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft
und Wissenschaft ist eng. In einem zweiten Vortrag referierte
Aaron Graff, Senior-Vize-Präsident von Ferring Pharmaceuticals,
über seine Beweggründe, das in der Schweiz ansässige
Unternehmen auch in Israel zu platzieren. Graff verwies besonders
auf das technische Know-how der israelischen Mitarbeitenden
und betonte, dass seine Investitionen in Israel von Erfolg
geprägt seien. Rafi Hopstein, Direktor von Hadasit, berichtete
davon, dass seine Holding Start-Up-Unternehmen in Israel unterstützt
vermehrt auch in der sehr jungen und dynamischen Life-Sciences-Branche
die Hälfte der Unternehmen in diesem Sektor besteht
nicht länger als sechs Jahre.
Israel braucht den europäischen Markt
Auch Yigal Erlich, Gründer der Yozma-Gruppe, setzt auf
eine erfolgreiche Entwicklung der israelischen Wirtschaft:
Sein Unternehmen hat bislang rund 200 Millionen Dollar in
40 Unternehmen im Land investiert, er unterstrich den grossen
Bedarf Israels an professionellem Management für junge
Unternehmen. Die Life-Sciences-Branche sei noch vergleichsweise
klein und ihre Entwicklung würde enorme Chancen bieten.
Laut Erlich investieren zurzeit 133 ausländische Venture-Capital-Fonds
in mehr als ein Unternehmen in Israel, die Investitionen im
Bereich Life Sciences stünden aber noch am Anfang. Ora
Dar, Leiterin des Life-Science- und des Biotechnologie-Sektors
im israelischen Ministerium für Industrie, Handel und
Arbeit, berichtete von den Programmen der Regierung, mit denen
private Investoren finanziell unterstützt werden. Sie
machte auch keinen Hehl aus der Motivation der Regierung,
indem sie betonte, dass Israel dringend auf den europäischen
Markt im Life-Sciences-Sek-tor angewiesen sei. Giampiero De
Luca, Vize-Präsident von Serono, sprach sehr positiv
über seine Erfahrungen in Israel, und er betonte: "Die
Frage muss nicht lauten, weshalb wir in Israel investieren,
sondern wie wir dies tun."
Michael Ranis von der Bank Hapoalim Schweiz betonte
im letzten Vortrag der Veranstaltung, dass seine Bank Investitionen
im Bereich der Life Sciences unterstützt und er auf lang
andauernde Geschäftsbeziehungen in diesem Bereich hoffe.
Bei der anschliessenden Diskussion kam die konkrete Frage
nach dem Engagement der Schweizer Marktführer Roche und
Novartis in Israel auf, und tatsächlich fielen die Namen
beider Konzerne an die-sem Tag zu diesem späten Zeitpunkt
zum ersten Mal. Ami Levin sagte, der Teilnehmer habe «mit
dieser Frage ins Schwarze getroffen», und auch Yigal
Erlich betonte, «ich finde, es ist Zeit, dass die beiden
Unternehmen nach Israel kommen». Esteban Pombo von Novartis
beteuerte das Interesse seines Konzerns und verwies auf
die an die Veranstaltungen anknüpfenden Gespräche.
Auf die Kontakte über diesen Tag hinaus baute auch Didier
Bollag, Präsident der Handelskammer Schweiz-Israel, in
seiner abschliessenden Rede. Die israelische Botschaft und
die Handelskammer hoffen, mit ihrer Veranstaltung einen
ersten wichtigen Schritt gemacht zu haben, indem sie über
die Möglichkeiten, die die Life-Sciences-Branche in Israel
birgt, aufgeklärt habendenn, wie Bollag betont, «there
is no output without input».
VALERIE DOEPGEN
Nachdruck mit freundlicher
Genehmigung aus: "tachles", dem Jüdischen Wochenmagazin,
Ausgabe 37 / 15.09.2006
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